Die Kraniche am Hornborga-See

Ein einmaliges Naturschauspiel zieht jedes Jahr im April in Südschweden Tausende von Touristen an.
Seit Menschengedenken ist der Hornborga-See und sein Umland Rastplatz der nach Norden zu ihren Brutrevieren ziehenden Kraniche.


Die europäischen Kraniche überwintern in Südeuropa und zum Teil in Nordafrika. Ende Februar verlassen sie ihre Überwinterungsgebiete, um zu ihren  Brutgebieten nach Norden zu fliegen. Dazu benutzen sie eine bestimmte Route über Frankreich und Deutschland hinweg nach Südschweden zum Hornborga- See.
In den Boddengebieten vor Rügen legen die großen Vögel einen Zwischenstopp ein. Hier bleiben sie einige Tage und fressen sich noch einmal richtig satt. Bei günstigen Winden wagen sie dann den etwa 500 Kilometer langen Nonstoppflug nach Südschweden. Diese Strecke wird von den Kranichen in ca. 7 Stunden zurückgelegt. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt dabei 65 km/h.

Hornborga-See, der weltweit bekannte Rastplatz, ist dann die letzte große Zwischenstation, bevor die Kraniche weiter zu den angestammten Brutplätzen in Nordschwreden, Finnland und Rußland ziehen. Von den etwa 7.000 Kranichen, die am Hornborga See zwischen dem 01. und 20. April zwischenlanden, bleibt nur eine kleine Anzahl dort, um in Seenähe zu brüten.
Tanzende Kraniche- dieses Naturschauspiel wird oft nur mit dem See Hornborgasjön in Verbindung gebracht. Den See suchen die Kraniche jedoch nur auf, um dort im flachen Wasser zu übernachten.Der eigentliche Tanz der Kraniche findet etwas weiter südlich auf den Feldern von Bjurrum statt.

Der Hochzeitstanz, dieses einmalige und fazinierende Naturschauspiel, bei dem die einzelnen Paare unter weithin schallenden Trompetenrufen und graziösen Luftsprüngen balzend zu tanzen beginnen, gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen eines jeden Naturfreundes.
Viele tausend Touristen fahren alljährlich zur Kranichhochzeit an den Hornborga- see. Sie warten schon morgens um sechs geduldig im feuchten Frühnebel auf den Beginn des Tanzes, nur etwa 150 Meter von der Balzarena entfernt.
Bei Sonnenuntergang endet der Tanz und die Kraniche fliegen zu Ihren Schlafplätzen in den Flachwasserbereich des Sees.

Schwedische Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen berichten alljählich ausführlich über Flugbewegungen und Hochzeitsfest.
Bei günstigen Aufwinden verlassen die Kraniche Ende April den Hornborga- See, um ihre im Norden gelegenen Brutgebiete aufzusuchen. In kleineren Verbänden starten sie, und ein lautes Abschiedstrompeten ist dabei zu vernehmen.Um Höhe zu gewinnen, kreisen die Kraniche, wobei sie die Thermik nutzen. Es ist ein großartiges Naturschauspiel, zu beobachten, wie die Vögel schließlich eine Keilformation bilden und am Horizont verschwinden.

Einer der absolut besten Plätze, die Landung, den Tanz und den Abflug der Kraniche zu beobachten, ist das „Naturum Trandansen“. Das schwedische Straßenbauamt hat diese Anlage neben einen exklusiven  Rastplatz an der Reichsstraße 184 gebaut. Während der Kranichsaison gibt es hier Austellungen, Führungen und andere Aktivitäten.

Kraniche aus der Nähe zu beobachten und zu fotografieren ist ein aufregendes Erlebnis
Unsere Kraniche sind von Natur aus sehr scheue Vögel. Ihre Fluchtdistanz beträgt normalerweise über 200 Meter, deshalb empfehle ich allen „Kranichfotografen“ ein Versteck.
Sechs kleine Verstecke, die im Bjurum-Naturreservat am Ufer des Hornborga-Sees im Monat April stehen, könne tageweise gemietet werden.
Bevor die Kraniche morgens auf der mit Rauhreif bedeckten Balzarena landen, muß der Fotograf in dem Versteck verschwunden sein und das hat mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang zu erfolgen. Frühestens eine Stunde nach Sonnenuntergang oder wenn der letzte Kranich abgeflogen ist, darf das Versteck verlassen werden. Der Fotograf muß sich auf eine 14-16  stündige Aufenthaltsdauer im Versteck einstellen und in dieser Zeit so verhalten, daß die Vögel  nicht gestört werden. Es ist strengstens verboten aus dem Versteck hervorzutreten oder die Tür zu öffnen.
Für Sitzgelegenheit, Liegeunterlage, Schlafsack und einen geeigneten Latinenbehälter (Wassereimer mit Deckel) hat der Fotograf selbst zu sorgen.
Sämtliche Utensilien müssen mit ins Zelt genommen werden.
Die Verstecke sind wind- und regensichere Holzkästen, die für maximal -2- Personen ausgelegt sind. Die Abmessungen der Verstecke, die mit einem Holzfußboden ausgestattet sind, betragen 2 Meter in der Länge, ca. 1,20 Meter in der Breite und etwa 1,50 Meter in der Höhe.
Nach einem langen Beobachtungstag wird sich der Fotograf freuen, das Versteck wieder verlassen und sich recken und strecken zu können.                              

Aber viel schöne Fotos von balzenden Kranichen werden diesen kleinen Härtetest bald in Vergessenheit geraten lassen.
Verhält man sich ruhig im Versteck, kann man die stolzen Vögel aus 5 Meter Entfernung mit dem Normalobjektiv fotografieren.
In der Abenddämmerung, nach Abflug der Kraniche, wird auf den Flächen vor den Verstecken Mais ausgestreut. Die Verteilung der Maiskörner können sie eigenhändig vornehmen. So hat man  schon im Vorwege die Möglichkeit,  Kraniche an einen gewünschten Platz zu dirigieren.

Nähere Information über die Verstecke und den Vermieter

Die Miete für ein Versteck beträgt ca. 600 SEK (1 Person/Versteck), ca.800 SEK ( 2 Personen/Versteck) plus ca. 100 SEK Bankgebühren.
Der Interessent schließt mit der Gemeinde Falköping-  Falköpings Turism ek. för.- einen Mietvertrag für das Versteck ab.
Genaue Anschrift:

Falköping Turism ek. för.
Hornborga Naturum
PI  10759
S-521 00 Falköping
Tel. 0500-49 14 50

Die Mietsumme muß spätestens 10 Tage vor dem Beobachtungstag entrichtet sein.
Kann der Mieter das Versteck nicht nutzen, z.B. wegen des Wetters oder aus anderen Umständen, die der Vermieter nicht zu vertreten hat, wird keine Miete zurückgezahlt.
Der Mieter hat sich spätestens einen Tag vor dem Buchungstag beim Trandansen
Naturum anzumelden. Das Naturum hat bis 18.00 Uhr geöffnet. Erfolgt keine Anmeldung, wird das Versteck weitervermietet.

Welche Fotoausrüstung?
Eine Ausrüstung, mit der man als Fotograf am Hornborga- See arbeiten kann, in der beruhigenden Gewißheit, nichts zu versäumen, weil etwas fehlen könnte, wäre nach der von mir vor Ort gemachten Erfahrung folgende:
2 Kameragehäuse, 1 Stativ, 1 Fotorucksack für den Transport und folgende Objektive: 24 mm Weitwinkel, 35-70 mm Zoom, 70-210 mm Zoom, 500 mm Tele und dazu der 1,4 Konverter.
Die neuen 100 ISO-Diafilme sind ein Traum was Schärfe und Farbe angeht. Deshalb mein Rat: Benutzen sie Filme dieser Empfindlichkeitsklasse bei der Kranichfotografie am Hornborga-See.  200 und 400 ISO- Filme nur dann, wenn es gar nicht anders mehr geht.

Anreise:                                                                                                             

1. Fahrt nach Kiel und mit der Fähre der Stena Line über die Ostsee nach Göteborg und von dort über Alingsas , Vargarda und Falköping zum Hornborga-See.
2. Über die Vogelfluglinie -Puttgarden- Rödbyhavn- Helsingör- Helsingborg- Halmstadt- Jönköping- Falköping- Hornborga-See.

Optimale Anreisezeit  01. - 19. April.

 

Text & Fotos: Jürgen Schiersmann