Naturfoto des Monats
- März 2003 -


Feldhase Lepus europaeus


Jürgen Schiersmann

Feldhase ( Lepus europaeus)

Der Feldhase wird oft mit dem Kaninchen verwechselt. Zwischen Feldhasen und Wildkaninchen gibt es aber eine Reihe deutlicher Unterscheidungsmerkmale. Hasen sind größer, ihre Beine sind länger und Ohren und Augen sind ebenfalls größer. Hasen graben keine Baue in die Erde, und sie leben nicht in Gruppen wie Kaninchen. Hasen werden mit offenen Augen und einem vollständig entwickelten Fell im Freien geboren, während die Kaninchen bei der Geburt im Bau blind und haarlos sind. Schon kurze Zeit nach der Geburt können Junghasen laufen, aber in aller Regel drücken sie sich in die Deckung und warten, bis die Häsin zum Säugen kommt. Nur in der Fortpflanzungszeit im Frühjahr trifft man Hasen paarweise oder in kleinen Gruppen auf den noch kahlen Feldern an. Ist der Bestand gut, sieht man 4-6 Hasen hintereinander in wilder Hetze über die Äcker laufen. Zwischen den männlichen Hasen kommt es dabei immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf sie sich aufrichten und mit den Vorderläufen betrommeln. Auch die Häsinnen halten sich die werbenden „Rammler“ mit Drohgebärden und Abwehrgefechten vom Balg und auch noch dann, wenn sich ein Paar gefunden hat. Erst nach längerem werbenden Treiben wird der „Rammler“ von der Häsin akzeptiert. Gleich nach der Paarung lässt der „Rammler“ seine Häsin aber wieder in Stich und verfolgt weitere sexuelle Interessen. Von ehelicher Treue hält dieser eingefleischte Einzelgänger gar nichts.
Feldhasen scharren sich oberirdische Mulden in Ackerfurchen, an Gräben- und Wegrändern, in denen sie sich tagsüber flach hineinlegen, wobei sie ihre auffallend langen „Löffel“ fest anlegen. In ihrer „Sasse“ wie die Hasenmulde auch genannt wird, sind sie dank ihrer Tarnfarbe so gut wie unsichtbar. Führt der Zufall Feinde wie Fuchs, Marder, Iltis oder den „Zweibeiner“ an die Sasse heran, so ist „Meister Lampe“ , wie der Hase gelegentlich auch genannt wird, in der Lage, mit Höchsttempo davonzurennen. Bis zu 70 km/h Laufgeschwindigkeit soll er dabei erreichen, und wenn er zudem seine scharfen Haken schlägt, haben es seine Verfolger schwer, ihn zu erwischen.
Der Bestand an Feldhasen ist in vielen Gegenden Deutschlands erschreckend zurückgegangen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ausreichende Lebensbedingungen für den Feldhasen wesentlich vom Vorkommen der Acker- und Wiesenkräuter abhängen. Die moderne, ausgeräumte Feldlandschaft aber ist arm an Acker- und Wiesenrainen. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis der Feldhase bundesweit auf die „Rote Liste“ kommt. Hoffen wir das Beste für den Feldhasen, damit wir ihn auch in den nächsten Frühjahren hier und da in der Feldflur bei seiner Hochzeit erleben und fotografieren können.

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