Naturfoto des Monats
- Oktober 2002 -


Damhirsch Cervus dama

Jürgen Schiersmann

Damhirschfotografie in freier Wildbahn

- kein leichtes Unterfangen - 

Sehr unterschiedlich ist der Wert, den der einzelne Naturfotograf dem Fotoobjekt “Damwild“ beimisst. Leider gibt es immer noch Vertreter in dieser Gruppe, die dem Damwild bitteres Unrecht zufügen, wenn sie von ihm als Fotoobjekt mit Geringschätzung sprechen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit abwertig den Ausdruck „Damzicken“ gebrauchen. Nach meiner Meinung beweisen sie damit nichts anderes, als dass sie das Damwild in freier Wildbahn gar nicht kennen.  Diese Wildart, die uns in Gehegen und Wildparks vertraut begegnet, weiß in der freien Wildbahn die Sinne meisterhaft zu gebrauchen. Nur in der Brunftzeit lassen Aufmerksamkeit und Vorsicht etwas nach und die Chance für den Naturfotografen, aussagekräftige Fotos zu bekommen, ist in dieser Zeit besonders groß. Ein uns in der freien Natur begegnender Damschaufler ist eine prachtvolle Erscheinung, und er braucht sich keineswegs vor seinem großen Vetter, dem Rothirsch, zu verstecken, wenn dieser ihm auch durch die gefährlichere Bewaffnung und besonders in der Brunftzeit durch die Macht der Stimme überlegen ist. Der Kampfruf des Damhirsches ist lediglich ein wenig lautes „Schnarren“. Auch die Damhirsche kämpfen in der Brunftzeit (Ende Oktober bis Mitte November) um die Gunst der weiblichen Tiere. Wenn zwei ebenbürtige Rivalen aneinander geraten, ist es keinesfalls so, dass sie sofort wild aufeinander losstürmen. Nein, zunächst schreiten sie mit leicht erhobenem Haupt , Flanke an Flanke, im Stechschritt nebeneinander her. Wenig später erfolgt der Übergang vom Stechschritt zur Attacke. Die Kontrahenten schnellen herum, nehmen kurz Abstand und stürmen dann mit gesenkten Schaufeln aufeinander los. Dem Zusammenprall folgt ein wildes Schieben und Drücken. Das Duell dauert oft bis zur Erschöpfung beider Gegner. Gibt es einen Sieger, so jagt dieser den Unterlegenen davon. Recht selten kommt es vor, dass einer der Rivalen beim Kampf schwer oder tödlich verletzt wird.

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