Jürgen Schiersmann
Damhirschfotografie in freier Wildbahn
- kein leichtes Unterfangen -
Sehr unterschiedlich ist der Wert, den der einzelne
Naturfotograf dem Fotoobjekt “Damwild“ beimisst. Leider gibt es immer noch
Vertreter in dieser Gruppe, die
dem Damwild bitteres Unrecht zufügen, wenn sie von ihm als Fotoobjekt mit
Geringschätzung sprechen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit abwertig
den Ausdruck „Damzicken“ gebrauchen. Nach meiner Meinung beweisen sie
damit nichts anderes, als dass sie das Damwild in freier Wildbahn gar
nicht kennen. Diese Wildart, die uns in Gehegen und Wildparks
vertraut begegnet, weiß in der freien Wildbahn die Sinne meisterhaft zu
gebrauchen. Nur in der Brunftzeit lassen Aufmerksamkeit und
Vorsicht etwas nach und die Chance für den Naturfotografen,
aussagekräftige Fotos zu bekommen, ist in dieser Zeit besonders groß. Ein
uns in der freien Natur begegnender Damschaufler ist eine prachtvolle
Erscheinung, und er braucht sich keineswegs vor seinem großen Vetter, dem
Rothirsch, zu verstecken, wenn dieser ihm auch durch die gefährlichere
Bewaffnung und besonders in der Brunftzeit durch die Macht der Stimme
überlegen ist. Der Kampfruf des Damhirsches ist lediglich ein wenig lautes
„Schnarren“. Auch die Damhirsche kämpfen in der Brunftzeit (Ende Oktober
bis Mitte November) um die Gunst der weiblichen Tiere. Wenn zwei
ebenbürtige Rivalen aneinander geraten, ist es keinesfalls so, dass sie
sofort wild aufeinander losstürmen. Nein, zunächst schreiten sie mit
leicht erhobenem Haupt , Flanke an Flanke, im Stechschritt nebeneinander
her. Wenig später erfolgt der Übergang vom Stechschritt zur Attacke. Die
Kontrahenten schnellen herum, nehmen kurz Abstand und stürmen dann mit
gesenkten Schaufeln aufeinander los. Dem Zusammenprall folgt ein wildes
Schieben und Drücken. Das Duell dauert oft bis zur Erschöpfung beider
Gegner. Gibt es einen Sieger, so jagt dieser den Unterlegenen davon. Recht
selten kommt es vor, dass einer der Rivalen beim Kampf schwer oder tödlich
verletzt wird.
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