Jürgen Schiersmann
Wildschwein
In Gestalt und Aussehen ist das Wildschwein mit keiner anderen
freilebenden Tierart Europas zu verwechseln. Seine Farbe schwankt zwischen
braunrot, dunkelbraun und fast schwarz, was aber zum Teil auf die Farbe
des Bodens der Umgebung zurückzuführen ist. Wildschweine „suhlen“ sich
ausgesprochen gern. Dieses Suhlen im Schlamm hat durchaus einen
zweckmäßigen Hintergrund : Der getrocknete Schlamm auf dem borstigen Fell
soll lästigen Parasiten, z.B. Flöhen, Zecken und Mücken keine
Angriffsfläche bieten. Die Jungtiere, die auch „Frischlinge“ genannt
werden, tragen eine charakteristische Längsstreifung. Männliche Tiere, der
Jäger nennt sie „Keiler“, fallen besonders durch die mit zunehmendem
Alter immer weiter aus Unter- und Oberkiefer hervortretenden Eckzähne (
Hauer ) auf. Diese Hauer werden nicht nur im Kampf gegen Rivalen, sondern
auch zur Abwehr von Feinden eingesetzt.
Wildschweine sind sehr wehrhaft und in die Enge getrieben greifen sie an.
Am gefährlichsten sind die Bachen, die junge „Frischlinge“ führen. Um sie
sollte man einen großen Bogen machen, denn schon manch Wanderer und
Beerenpflücker ist angegriffen und erheblich verletzt worden.
Wildschweine haben keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie
bevorzugen feuchte Laub- und Laubmischwälder, die reichlich Eicheln und
Bucheckern als Fraß spenden, sowie Nadelholzwälder, die Ruhe und Deckung
bieten. Wildschweine leben gesellig in Familienverbänden, die in der
Jägersprache „Rotten“ genannt werden. Sie stecken am Tage in Dickungen,
in dichtem Gebüsch oder Röhricht. Gegen Abend wechseln sie von ihren
Tageseinständen an den Waldrand auf die angrenzenden Kartoffel-Mais- und
Haferfelder, wo sie bei ihrer Wühlarbeit nicht selten erheblichen
Schaden anrichten, sehr zum Leidwesen der Bauern. Wildschweine zählt man
zu den Allesfressern. Neben Bucheckern, Eicheln, Kräutern, Gräsern sowie
Feldfrüchten aller Art fressen sie Würmer und viele andere
Bodenkleintiere. Mäuse und Ratten werden blitzschnell erbeutet und sogar
der eine oder andere Junghase, der sich in den ersten Lebenstagen dicht an
den Boden drückt anstatt zu fliehen, bereichert ihren Speiseplan. Auch
größere tote Tiere werden gern gefressen.
Die Paarungszeit, von den Jägern auch „Rauschzeit“ genannt, fällt in die
Monate November bis Januar. Nach einer Tragezeit von 130 Tagen bringt die
Bache 6-12 Junge (Frischlinge) auf die Welt. Kurz vor der Geburt wühlt die
Bache eine flache Mulde in den Boden, die sie mit weichem Pflanzenmaterial
auspolstert und manchmal mit Astwerk überdacht. Hier erwartet die Bache
die Ankunft ihrer Kinder. Etwa drei Monate lang werden die Frischlinge
gesäugt, dann nehmen sie feste Nahrung zu sich. Nach einem Jahr sind sie
bereits ziemlich selbständig.
Wildschweine können in freier Wildbahn etwa 20 Jahre alt werden. |