Naturfoto des Monats
- Dezember 2002 -


Wildschwein, Keiler Sys scrofa

Jürgen Schiersmann 

Wildschwein

In Gestalt und Aussehen ist das Wildschwein mit keiner anderen freilebenden Tierart Europas zu verwechseln. Seine Farbe schwankt zwischen braunrot, dunkelbraun und fast schwarz, was aber zum Teil auf die Farbe des Bodens der Umgebung zurückzuführen ist. Wildschweine „suhlen“ sich ausgesprochen gern. Dieses Suhlen im Schlamm hat durchaus einen zweckmäßigen Hintergrund : Der getrocknete Schlamm auf dem borstigen Fell soll lästigen  Parasiten, z.B. Flöhen, Zecken und Mücken keine Angriffsfläche bieten. Die Jungtiere, die auch „Frischlinge“ genannt werden, tragen eine charakteristische Längsstreifung. Männliche Tiere, der Jäger nennt sie „Keiler“,  fallen besonders durch die mit zunehmendem Alter immer weiter aus Unter- und Oberkiefer hervortretenden Eckzähne ( Hauer ) auf. Diese Hauer werden nicht nur im Kampf gegen Rivalen, sondern auch  zur Abwehr von Feinden eingesetzt.
Wildschweine sind sehr wehrhaft und in die Enge getrieben greifen sie an. Am gefährlichsten sind die Bachen, die junge „Frischlinge“ führen. Um sie sollte man einen großen Bogen machen, denn schon manch Wanderer und Beerenpflücker ist angegriffen und erheblich verletzt worden.
Wildschweine haben keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie bevorzugen feuchte Laub- und Laubmischwälder, die reichlich Eicheln und Bucheckern als Fraß spenden, sowie Nadelholzwälder, die Ruhe und Deckung bieten. Wildschweine leben gesellig in Familienverbänden, die in der Jägersprache „Rotten“ genannt  werden. Sie stecken am Tage in Dickungen, in dichtem Gebüsch oder Röhricht. Gegen Abend wechseln sie von ihren Tageseinständen an den Waldrand auf die angrenzenden  Kartoffel-Mais- und Haferfelder, wo sie bei ihrer Wühlarbeit nicht selten erheblichen Schaden anrichten, sehr zum Leidwesen der Bauern. Wildschweine zählt man zu den Allesfressern. Neben Bucheckern, Eicheln, Kräutern, Gräsern sowie Feldfrüchten  aller Art fressen sie Würmer und viele andere Bodenkleintiere. Mäuse und Ratten werden blitzschnell erbeutet und sogar der eine oder andere Junghase, der sich in den ersten Lebenstagen dicht an den Boden drückt anstatt zu fliehen, bereichert ihren Speiseplan. Auch größere tote Tiere werden gern gefressen.
Die Paarungszeit, von den Jägern auch „Rauschzeit“ genannt, fällt in die Monate November bis Januar. Nach einer Tragezeit von 130 Tagen bringt die Bache 6-12 Junge (Frischlinge) auf die Welt. Kurz vor der Geburt wühlt die Bache eine flache Mulde in den Boden, die sie mit weichem Pflanzenmaterial auspolstert und manchmal mit Astwerk überdacht. Hier erwartet die Bache die Ankunft ihrer Kinder. Etwa drei Monate lang werden die Frischlinge gesäugt, dann nehmen sie feste Nahrung zu sich. Nach einem Jahr sind sie bereits ziemlich selbständig.
Wildschweine können in freier Wildbahn etwa 20 Jahre alt werden.

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